Die „Tragik der Allmende“ - ein Missverständnis
Eine Situation, die zur Übernutzung kollektiv bewirtschafteter Ressourcen führt, wird gewöhnlich als „Tragik der Allmende“ bezeichnet. Der Biologe Garrett Hardin veröffentlichte 1968 im Wissenschaftsmagazin Science einen gleichnamigen Aufsatz, der Furore machte: The Tragedy of the Commons.
Er zeichnet darin das Bild einer Weide, auf die alle Herdenbesitzer ihre Schafe treiben. Jeder versuche, seinen individuellen Nutzen zu mehren. Die Lasten – das letztlich überweidete Land – teilten sich alle. Hardin ging davon aus, dass diese Dynamik unvermeidlich sei; eine angesichts steigender Bevölkerungszahlen niederschmetternde Diagnose. Die „schicksalhafte“ „Tragik der Allmende“ wuchs zum Mythos, doch die Commonsforschung hat die Schwächen des Arguments offen gelegt.
- Die Grundannahme lautet: Der Mensch ist ein homo oeconomicus, ein Nutzenmaximierer. Das ist er wohl, doch nicht allein.
- Die 1. These besagt: Der Zugang zur Weide (zur „Allmende“) sei ungeregelt und stünde allen offen. Doch Allmende sind kein Niemandsland. Sie gehören definierten Gemeinschaften.
- Die 2. These unterstellt: Die Herdenbesitzer agieren isoliert. Stattdessen tauschen sich Menschen gewöhnlich über die Nutzung ihrer Ressourcen aus.
- Die 3. These postuliert: Menschen produzieren vorwiegend für den Verkauf. Dabei benötigen wir die Leistungen der Gemeingüter in vielfältiger Weise, jenseits des Marktes.
Hardin beschrieb also eine Situation des ungehinderten Zugangs zu Land, das niemandem gehört, vergleichbar mit dem Zugang zur Atmosphäre, der bislang ungeregelt war.
