Hoffnung und Inspiration: Der Alternative Nobelpreis zu Gast bei der GLS Treuhand

Eine Welt in Frieden und ohne Nuklearwaffen ist möglich. Das ist das Credo von Alyn Ware, seit über 20 Jahren setzt sich der Neuseeländer dafür ein. Gerade hat er dafür in Stockholm den Alternativen Nobelpreis bekommen. Schon zwei Tage später, am 7. Dezember, war er zu Gast bei der GLS Treuhand, gemeinsam mit Ole von Uexküll und Monika Griefahn von der Stiftung des Right Livelihood Awards (RLA), so der offizielle Name des Preises.

„Zum Frieden gehört es, Konflikte anzugehen und zu lösen - so, das beide Seiten zufrieden sind.“
„Zum Frieden gehört es, Konflikte anzugehen und zu lösen - so, das beide Seiten zufrieden sind.“

„Konflikte lassen sich nur erfolgreich lösen, wenn am Ende beide Seite gewinnen“, sagte der gelernte Kindergärtner den über 70 geladenen Gästen im Melanchthonsaal. Ihnen beschrieb er seine vielfältigen Aktivitäten. Zunächst ging es darum, wie sich die Idee von Frieden an Kinder und Jugendliche vermitteln lässt.

„Was passiert, wenn Frieden zu Passivität führt, wie zwei Liebende, bei denen der Alltag einkehrt?“, fragte eine Zuschauerin nach dem Vortrag. Ein Leben in Frieden bedeute kein passives Leben, antwortete Ware. Im Gegenteil, Probleme müssten aktiv und kreativ angegangen werden. Aber eben ohne Gewalt.

In den neuseeländischen Schulen helfen dabei Streitschlichter: „Ich habe erlebt, wie Sechsjährige zwischen Neunjährigen vermittelt haben. Die Kinder lernen sehr schnell“, so Ware. Außerdem führte der Friedenspädagoge Rollenspiele und spielerische Übungen ein, die verdeutlichen, dass gemeinsames Handeln und Kooperation viel wirksamer sind, als wenn jeder nur seine Interessen verfolgt. Friedenspädagogik gehört mittlerweile zum neuseeländischen Curriculum.

Zu Gast bei der GLS
Zu Gast bei der GLS

Wenn unterschiedliche Interessen aufeinander prallen, greift für Ware immer wieder dasselbe Prinzip: „Vielleicht streiten sich zwei Kinder um ein Spielzeug. Dann kann man es nicht einfach nur einem überlassen, das wäre unfair. Man muss nach Wegen suchen, damit beide etwas davon haben, vielleicht sogar miteinander. Dann entsteht das, was wir eine Win-Win-Situation nennen.“ Was bei Kindern funktioniert, gelte auch auf internationale Ebene.

„Vom Kindergarten zu den Vereinten Nationen“, lautete der Titel seines Vortrags, wie eine Kurzzusammenfassung von Wares Biografie. Denn neben internationalen Initiativen hat er auch viel bei und für die UN gearbeitet.

So stellte er Netzwerke und Initiativen vor, zum Beispiel die „Friedensstädte“, die sich für Frieden und Konfliktlösung einsetzen, die interkulturelle Verständigung und die Menschrechte fördern, positive Beziehungen schaffen und den Einsatz von Gewalt abschaffen wollen.

Besonders setzt sich Alyn Ware für eine Welt ohne Nuklearwaffen ein. Schon 1997 hat er am Entwurf für eine Nuklearwaffenkonvention mitgewirkt, den über 120 Staaten unterstützen. Darunter sind auch Atommächte wie Indien, Pakistan und Nordkorea.

Zuvor hatte er geholfen, einen beispiellosen Präzedenzfall zu schaffen. „Mitten im Kalten Krieg haben wir in Neuseeland nuklearwaffenfreie Zonen eingerichtet“, erinnerte sich Ware. Was etwas selbstironisch damit begann, die eigenen vier Wände für atomwaffenfrei zu erklären, fand schnell Rückhalt. Aus atomwaffenfreien Häusern wurden Straßen, Dörfer, Städte. Bis schließlich der Premierminister das ganze Land zu einer einzigen Friedenszone erklärte und fortan Atom-U-Booten oder nuklearbetrieben Flugzeugträgern die Einfahrt in neuseeländische Häfen verweigerte.

Auch diese Mauer soll fallen.
Auch diese Mauer soll fallen.

Unentwegt arbeitet Ware dafür, dass die Staaten mit Verhandlungen über die atomare Abrüstung beginnen. Dabei ist er nicht allein. Er erwähnt die Gemeinschaft „Abolition2000“, zu der auch zahlreiche deutsche Organisationen gehören. Oder die „Mayors for Peace“, ein Zusammenschluss von über 3300 Städten, zu denen derzeit auch 315 deutsche Kommunen gehören.

Alyn Ware selbst sprach zwar von sich und seiner Arbeit, aber er stellte sich an diesem Abend nicht in den Vordergrund, sondern ließ die Beispiele und Ideen für sich sprechen. Er inspirierte durch seine freundliche, offene Art und seinen klaren Blick. Vor ihm hatte Monika Griefahn von der RLA-Stiftung gesagt, welch großartige Beispiele für Hoffnung die Träger/innen des Alternativen Nobelpreises seien. Die Zuhörer/innen des Preisträgers Alyn Ware an diesem Abend merkten, wie wahr das ist.

Links:

Eine kurze Biografie von Alyn Ware:
www.atomwaffena-z.info/atomwaffen-glossar/w/w-texte/artikel/1145/34928586c9/index.html

Friedensstädte: Überblick der neuseeländischen „Peace Foundation“ (Englisch)
www.peace.net.nz/index.php?pageID=58

Entwurf einer Nuklearwaffenkonvention (Deutsche Übersetzung)
www.atomwaffena-z.info/fileadmin/user_upload/pdf/nwc.pdf

Das Buch zum Entwurf: Securing our Survival. The Case for a Nuclear Weapons Convention (Englisch)
www.icanw.org/securing-our-surviva

Abolition2000.org: Abrüstungs-Vereinigung, zu der auch zahlreiche deutsche Organisationen gehören.
www.abolition2000.org

Die deutschen Abolition2000-Mitglieder:
www.abolition2000.org/?page_id=826

Mayors for Peace: Zusammenschluss von über 3300 Städten in über 130 Ländern und Regionen.
www.mayorsforpeace.org

Dazu gehören derzeit auch 315 Städte, die hier u.a. aufgelistet werden:
www.mayorsforpeace.org/english/membercity/europe1.html

International Physicians for the Prevention of Nuclear War
www.ippnw.de

Parlamentarisches Netzwerk für nukleare Abrüstung und Nichtverbreitung (PNND)
www.pnnd.de