Die GLS Treuhand trauert um Julian Kühn

 

Wir gedenken unseres ehemaligen Vorstands Julian Kühn, der am 30. September 2017 verstarb. Die vielfältigen Spuren die er hinterlässt, prägen uns noch heute. Wir danken ihm und werden in ihn und sein vielfältiges Engagement in ehrenvoller Erinnerung behalten.

Folgenden Nachruf hat Matthias Riepe, Geschäftsführer der Zukunftsstiftung Bildung der GLS Treuhand, verfasst:

 



Julian Michael Kühn

* 9. November 1956, † 30. September 2017

Zu Michaeli, in der Nacht vom 29. auf den 30. September, ist Julian Kühn in großer innerer
Ruhe und Gelassenheit bei sich zuhause verstorben. Noch am Abend hatte er ein tief
berührendes Gespräch mit seinem älteren Bruder führen können. Alle, die ihm nahe waren,
wussten, dass der Abschied bevorstand, denn Julian hatte uns sorgfältig darauf vorbereitet.
Dass der Tod ein Übergang in eine andere, geistgetragene Lebensform ist und aus der
irdischen Existenz heraus gestaltet werden kann, lebte er als ein großes Vorbild vor. Und
dann ging er, allein und wach, während die Menschen um ihn herum schliefen.

Mit Julian blicken wir auf ein vielseitig geführtes und reich gestaltetes Leben. Berufliche
Erfahrungen in der Landwirtschaft, eindrückliche Arbeitsphasen in der Schauspielerei und
das Engagement in der Heilpädagogik waren vorbereitend und zum Teil auch begleitend bei
dem Entschluss, in der damals noch jungen GLS Bank in Bochum eine Banklehre zu
absolvieren. Die abstrakte Welt der Finanzwirtschaft und die zu ihrer Beherrschung
wichtigen Kompetenzen bereiteten ihm, der auch mit einem scharfen analytischen Verstand
ausgestattet war, keine Mühe. Dem später langjährigen Vorstand in der GLS Bank und dann
in der GLS Treuhand e.V. ging es dabei vor allem um die moralisch-ethischen Qualitäten, die
beim Umgang mit Geld geweckt werden und ins allgemeine Leben einfließen müssen. Er war
der Meinung, dass das vorherrschende Finanzsystem als eine menschliche Erfindung nur von Menschen verwandelt und erneuert werden kann, damit die Welt gerechter und sozialer,
schöpferisch und froh werden kann. Aus dieser Sicht war es nur konsequent, die
Entwicklung von Studienangeboten im sozial-ökologischen Bankwesen anzugehen und die Gründung des Institute for Social Banking voranzutreiben. Aspekte zur Ausbildung von Bankern und anderen, die in der Finanzwirtschaft und Ökonomie beruflich tätig sind, wurden sein Lebensthema. 2004 formulierte er nach 25 Jahren Arbeit in der Bank dazu, „.. dass das sozial-ökologische Bankwesen nur dann eine Zukunftschance hat, wenn innovativ- und querdenkende junge Menschen dieses Bankwesen weiterentwickeln werden.“ Heute ist das Institute for Social Banking eine Institution, die durch den Lehrbetrieb und die jährliche Summer School viele Menschen anzieht und begeistert.

Die Förderung der Jüngeren und die zugewandte Begleitung war auch eine selbst gestellte
Aufgabe, die mit der Gründung der Jugendbildungsstätte Kotthausen im Bergischen Land
ausgeführt wurde. Seminare zu Geschichte, Astronomie, Anthropologie, künstlerische
Übungen und nicht zuletzt die Theateraufführungen waren ihm ein den Alltag ausfüllendes
Anliegen.

Julian Kühn war maßgeblich und führend daran beteiligt, dass seit 1999 die GLS Treuhand in
Bochum mit ihren Zukunftsstiftungen einen neuen Auftritt in der Öffentlichkeit erhielt.
Substanziell bedeutete die Einrichtung dieser Themenstiftungen unter dem Dach der GLS
Treuhand eine Neuordnung. Heute werden in Entwicklung, Landwirtschaft, Bildung,
Gesundheit, Mensch und Gesellschaft und Neue Energien zahlreiche Programme und
Projekte weltweit gefördert, konzipiert und durchgeführt.

Die Spuren, die Julian Kühn in der Welt hinterlässt, sind vielfältig. Dass es sie geben kann,
beruht auf einer Persönlichkeit, die achtsam auf die Erscheinungen und Prozesse zugehen kann. Ein sprachliches Handicap, das Stottern, konfrontiert ihn schon in jungen Jahren mit
der Aufgabe der Selbstschulung und Regulation. Die dahinterliegende Selbstführung
trainierte ihn für den Umgang mit den Menschen. Dass er bei allen Aktivitäten für sich selbst
bescheiden und uneitel blieb, machte ihn für andere so anziehend. Er war durch und durch
vertrauenswürdig und jeden Tag bereit, jedem, der an seiner Tür klopfte, mit guten Ideen,
Ratschlägen und persönlichem Einsatz zu helfen. Mit denjenigen, die näher mit ihm in
Kontakt standen, tauschte er auch seine Überzeugung aus, dass in der Welt alles gut werde,
wenn jeder einzelne bereit sei, sich selbst zu ändern.

Julians Traueranzeige enthält ein kurzes Gedicht von Ali Ibn al-Arabi:
Gott schläft im Stein / Träumt in der Pflanze / Rührt sich im Tier / Erwacht im Menschen.
Aus seinen ausgedehnten zahlreichen Reisen über alle Kontinente wuchs in ihm der Wunsch
heran, unserer Erde, die uns und vielen Wesen Heimat gibt, zu helfen. In neuen Workshop-
Formaten lud er die Teilnehmer*innen ein, den Dialog mit Steinen, Pflanzen, Tieren, mit den
Elementen und mit allen unsichtbaren Wesen zu üben und sich auf eine neue Zwiesprache
einzulassen. Dies wurde ihm wichtig. Die Krankheit ließ ihm für eine weitgreifende
Vertiefung und Verbreitung keine Möglichkeit. Andere werden es aufnehmen und
fortführen.