Campfire Festival für Journalismus und digitale Zukunft 2018 erfolgreich zu Ende gegangen

Rund 11.000 Besucher*innen haben das Campfire Festival in Düsseldorf besucht. Mit einem gemeinsamen Zelt waren GLS Treuhand und GLS Bank Teil des bunten Zeltdorfes am Landtag. Besucherinnen und Besucher konnten im „GLS Nachhaltigkeitszelt“ aktiv zu Themen wie Klimawandel, Rechtspopulismus, Pressefreiheit in der Türkei und anderen Themen diskutieren. Einen Einblick in die Höhepunkte finden Sie in einem Beitrag im GLS Blog.


Rückblick auf die Podiumsdiskussion am Samstag, 1.09.

"Medien zwischen gesellschaftlicher Verantwortung und Finanznot"

Der Titel der von der GLS Treuhand und der Initiative Offene Gesellschaft veranstalteten Diskussion im Zelt des Veranstalters Correctiv war weit gespannt: Stephanie Reuter, Geschäftsführerin der Rudolf Augstein Stiftung, Dr. Hermann Falk, Vorstand der GLS Treuhand, Tabea Grzeszyk, freie Journalistin und Mitbegründerin von hostwriter.org sowie Andre Wilkens, Mitbegründer der Initiative Offenen Gesellschaft, gingen kritisch der Frage nach, wie neue Formen des Journalismus finanziert werden können. 

"Qualitätsjournalismus ist unverzichtbar für eine funktionierende Demokratie. Doch wie kann sich Journalismus erneuern?" Vor dem Hintergrund dieser Eingangsfrage startete Tabea Grzeszyk in die Diskussion und bezog auch die Besucher*innen im Zelt mit Abstimmungsfragen mit ein.

Nähert man sich diesem Themengebiet, stehen viele Fragen im Raum. Soll es das klassische Bezahlmodell sein, braucht es eine „Steuer“ für neue, digitale Medien oder sind nicht vielmehr auch die großen Netzunternehmen wie Google und Facebook in der Pflicht, eine Abgabe leisten? In welchem Maße wird Schenkgeld über Stiftungen und gemeinnützige Organisationen benötigt, oder sind nicht vor allem die Bürger*innen als Konsumenten der Inhalte selbst gefragt, für unabhängigen Journalismus zu bezahlen?

Die Ansätze der eingeladenen Podiumsteilnehmer*innen waren ganz unterschiedlich:
Andre Wilkens, der aus Berlin dazu geschaltet wurde, plädierte eher für einen transnationalen Ansatz: „Wie können wir eine Öffentlichkeit schaffen, die hilft, gesellschaftliche Herausforderungen zu reflektieren und dann zu meistern? Das ist eine Frage, die weit über die Finanzierung von Qualitätsjournalismus hinausgeht, diese aber einschließt. Hier sollten wir über neue Formate nachdenken, am besten gleich auf europäischer Ebene. Denn gerade hier zementieren sich nationale Filterblasen, die anstehenden europäischen Lösungsansätzen entgegenstehen. Dies ist eben auch eine Chance. Wir brauchen einen Airbus für europäische Öffentlichkeit.“

Eine andere Position bezog Stefanie Reuter. Sie sah vielmehr Stiftungen als Akteure und Ermutiger gefragt und meinte: „Die digitale Transformation setzt den Journalismus unter Druck. Wir erleben einen Strukturwandel der Öffentlichkeit. Darauf sollten auch Stiftungen in ihrer Förderpraxis reagieren. Sie können Impulsgeber sein und durch ihr Risikokapital Innovationen befördern. Hilfreich wäre, wenn gemeinwohlorientierter Journalismus als gemeinnützig anerkannt würde. Dafür sollten wir uns einsetzen.“

Eine digitale Infrastruktur, die dem Gemeinwohl dient, forderte auch Dr. Hermann Falk und erinnerte  daran, dass sich zudem jeder Einzelne hinsichtlich der eigenen täglichen Nutzung von medialen Informationen verantwortlich fühlen sollte, für einen investigativen unabhängigen Journalismus zu zahlen.

Nach der einstündigen Debatte wurde deutlich: die einzig richtige Antwort gibt es nicht. Vielmehr braucht es einen bunten Strauß neuer Ansätze und mehr Formate wie das Campfire-Festival mit öffentlichen Debatten über die Bedeutung und Finanzierung von Qualitätsjournalismus. Nur so kann dieser unersetzliche Eckpfeiler einer aktiven Demokratie und starken Zivilgesellschaft gefestigt werden. Insbesondere in Zeiten von Populismus und neuen gesellschaftlichen Fliehkräften. Und es braucht Räume, in denen sich neue journalistische Initiativen und Plattformen ausprobieren können. Die übergreifende Frage könnte lauten: Was ist die Gesellschaft bereit dafür zu tun und auch zu bezahlen?

Weitere Informationen zum Engagement der GLS Treuhand im Bereich Qualitätsjournalismus gibt es hier.